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| Wednesday, March 7th, 2012 | | 10:17 am |
#Kampusch, #Priklopil und Fritzl, zwei Sorten Täter die Lehren daraus #fb
Seit Tagen ist es wieder Thema Nummer eins in allen Verschwörer – Foren – gab es einen Pädophilen – Ring, den Wolfgang Priklopil mit Fotos und Filmen von Natascha Kampusch versorgt hat, oder ist er doch der Einzeltäter, wie ihn Natascha Kampusch immer wieder beschreibt? Auf Grund der (nichtvorhandenen) Beweise muß man das Vorhandensein eines Kinderpornorings klar verneinen – aber kann man das auch mittels einer Analyse des „Tätertyps“ tun? Was verbindet die Fälle Fritzl und Priklopil, was trennt sie? Und was für Schlüsse für die Zukunft kann man daraus ziehen? Grundsätzlich kann man Menschen, die Kinder mißbrauchen, in mehrere Gruppen teilen. Der größte Teil mißbraucht Kinder, um Macht zu demonstrieren, um die Stellung als Familienoberhaupt zu festigen, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Dieser Art von TäterInnen ist das Geschlecht der Kinder meist egal, wiewohl sie meist zum heterosexuellen „Gegenstück“ tendieren. Diese TäterInnen sind die unumschränkten Familiendespoten, sie bestimmen, wie sich die Familie nach außen darstellt, sie bestimmen die Lebensweise, sie bestimmen den Tagesablauf in der Familie. Meist terrorisieren solche TäterInnen nicht nur die Kinder, auch die dazugehörigen PartnerInnen sind fest in diesem Teufelskreis gefangen. Vergewaltigung und sexuelle Nötigung wird als Teil dieser Machtausübung eingesetzt, zur Einschüchterung, und um Opfer gefügig zu halten. Der/die TäterIn trichtert den Familienmitgliedern ein, daß ein Davonrennen nicht möglich ist, daß man den Opfern die Schuld geben wird und daß Kinder im Heim und PartnerInnen als MitwisserInnen im Gefängnis landen werden. Die Scham und die Angst vor dem Zerreißen der Familie zwingen Kinder wie PartnerInnen deshalb oft, den Mißbrauch lange zu verschweigen, sich niemand anzuvertrauen und „still vor sich hin zu leiden“, bis durch einen guten Zufall von außen Hilfe kommt oder der/die TäterIn die Familie wie auch immer verläßt. Diese TäterInnen sind meist gut in der Umwelt integriert, es käme niemand auf die Idee, hinter der heilen Familienfassade Gewalt und Mißbrauch zu vermuten. Deshalb erfolgen aus der näheren Umgebung auch in den seltensten Fällen Anzeigen, der/die TäterIn wird als charmant empfunden, als hilfsbereit und Familienmensch, die Kinder machen meist einen „wohlerzogenen“ Eindruck. Gerade dieses „meine Familie spurt in der Außenwelt“, ist vielen dieser Täter sehr wichtig, nicht selten prahlen sie mit gewissen Anspielungen auch damit in einschlägigen Foren und (Männer)Runden. Diese Tätergruppe ist je nach Studie bis zu 90 Prozent männlich und im engsten Verwandtenkreis zu finden, Väter, Stiefväter, Brüder, Onkel, Großväter. Jedes vierte Mädchen und jeder achte Bub ist während der frühen Kindheit mit Mißbrauch konfrontiert. Deshalb wird diese Tätergruppe auch oft als „Inzesttäter“ bezeichnet. Eine zweite viel kleinere Tätergruppe sind Pädophile, die unter den ICD 10 Diagnoseschlüssel F65.4 fallen. Diese TäterInnen suchen in Ermangelung einer eigenen Familie ihre Opfer oft in der weiteren Nachbarschaft, in Vereinen oder an der Arbeitsstelle als ErzieherInnen oder LehrerInnen, oder entführen ihre Opfer zwar akribisch vorgeplant, die Auswahl aber erfolgt eher zufällig, weil sie in etwa ihrem Anforderungsprofil entsprechen, eine persönliche Bindung zum Opfer wäre kontraproduktiv. Sie sehen im Opfer ein Spielzeug, einen unbelebten Gegenstand, den sie besitzen und nach ihrem Willen formen wollen. Bilder, Gegenstände aus dem Besitz der Opfer oder, im extremsten Fall, die Opfer selbst werden wie Trophäen gehortet, die Opfer ständig umgezogen, die Frisur durch Perücken verändert, mit dem Opfer wird eine Scheinwelt aufgebaut, in die der/die TäterIn immer wieder flieht, zu der niemand Zutritt hat und die mit allen Mitteln verteidigt wird. Ziel ist in vielen Fällen eine willenlose Puppe zur Verfügung zu haben, die nicht widerspricht und sich auch nicht verändert. Sie planen alle Tatumstände sehr akribisch, es dauert oft lange, bis sie ihr persönliches Umfeld so umgestaltet haben, daß das Opfer niemand mehr zu Hilfe rufen kann und jeder Kontakt mit der Außenwelt ausgeschlossen ist. Verschiedene Fundstellen bezeichnen diesen Tätertyp als „Puppensammler“, „Spielzeugsammler“ oder es ist von „fetischistischer Pädophilie“ zu lesen. Ich bin immer versucht, von „echten Pädophilen“ zu sprechen, da ihre Fixierung auf die Kinder an sich bezogen ist und nicht auf Kindesmißbrauch zum Machterhalt. Diese Täter sind meist männlich, in der Literatur sind nur ganz wenige weibliche Täter beschrieben, sie bevorzugen meist gegengeschlechtliche Opfer. Neben diesen zwei Hauptgruppen gibt es noch TäterInnen, die auf Grund von Krankheit in einer frühkindlichen Sexualphase quasi steckenbleiben und so vermeintlich gleichaltrige Partner suchen. Auch auf Grund von Demenzerkrankungen kann eine Rückentwicklung der Sexualität in eine frühkindliche Phase erfolgen, oder eine Enthemmung eintreten, die durch Selbstkontrolle früher nicht aufgefallen ist. Den Schilderungen der Gerichtspsychologin im Fall Fritz nach zu schließen, ist der Täter hier der „Macht – Gruppe“ zuzuordnen. Priklopil gehört hingegen der Gruppe der im ICD10 F65.4 beschriebenen Pädophilen an. Somit haben wir es mit zwei Täter zu tun, die ihre Opfer brechen und unumschränkte Macht über sie ausüben wollen. Die Motivation dahinter ist aber eine völlig unterschiedliche, hier sind es patriarchale Strukturen und der Beweis der eignen Stärke als Familienoberhaupt; da die Erschaffung einer leblosen, willenlosen, „menschlosen“ einzigartigen Wunschgespielin. Kindesmißbrauch als Machtmißbrauch ist in der Bevölkerung leider immer noch relativ häufig vertreten, jedes vierte Mädchen und jeder achte Bub macht in der frühen Jugend Mißbrauchserfahrung. Dieser Mißbrauch ist Teil jener patriarchalen Struktur, die Österreich (wie viele andere Länder) jahrhundertelang geprägt hat, in der Kinder kaum Rechte hatten und es keinerlei offizielle Stellen gab, die Kinderrechte vertreten hätten. Ich will jetzt nicht behaupten, Kindesmißbrauch sei immer noch gesellschaftlich akzeptiert, allerdings ist die Bereitschaft der Bevölkerung, diesen Mißbrauch auch als solchen zu brandmarken, bei weitem nicht hoch genug. Wegschauen, nicht wissen (wollen), nicht eimischen wollen und, bis zu einem gewissen Punkt auch die nicht vorhandene Solidarität mit den (weiblichen) Opfern, verhindert das Brechen dieser patriarchalen Gewaltstrukturen. Der „echte“ pädophile Täter ist relativ selten, Studien der Charite und dem Projekt http://www.kein-taeter-werden.de/ sind in Deutschland ca. 0,3 Prozent der Bevölkerung potentielle pädophil veranlagt, die meisten lebt das jedoch nie an einem Kind aus, die sexuelle Präferenz bleibt Phantasie, sie wird in einigen Fällen virtuell in Form von Kinderpornographie ausgelebt, wobei den Tätern egal ist, daß hinter diesen Bildern reale Opfer stehen. Die Verhaltensweisen dieser Tätergruppe muten uns sehr fremd an, ein erwachsener Mann, der seine Opfer zu leblosen Wesen macht, mit ihnen wie mit Puppen spielt, sie zum fast toten Spielzeug erzieht, ist außerhalb der Vorstellungskraft vieler Menschen, die noch nie mit solchen sexuellen Paraphilien zu tun hatten. Deshalb wird sehr schnell etwas hineininterpretiert, was bekannt ist – der Mißbrauch als Inzesttäter aus der „weiteren Umgebung“ oder Vergewaltigungen von (fast) erwachsenen Opfern, denen man nicht selten eine gewisse Mitschuld durch „aufreizendes Verhalten“ zuschiebt, um den Täter so weniger schrecklich erscheinen zu lassen. Dabei spielt bei dieser Tätergruppe der eigentliche Sexualakt nur eine untergeordnete Rolle, wichtiger ist der Gedanke der Exklusivität, dieses „ich hab diesen Menschen nach meinem Willen geformt und nur ich kann ihn sehen und benutzten, wann ich will“. Daraus ergibt sich aber auch eine weitere Eigenheit dieser Täter – sie „teilen“ ihr Opfer nicht, sie wollen es ganz für sich haben, sich so lange wie möglich daran erfreuen, ist es zu erwachsen oder entspricht das Bild nicht mehr den Phantasien der Täter, wird es einfach „entsorgt“. Viele dieser Eigenschaften finden sich im den Schilderungen von Natascha Kampusch wieder, das penibel gebaute Verlies, der Entzug von Nahrung und Luft, die völlige Isolierung, das Kahlscheren des Kopfes, all das spricht dafür, daß Priklopil ein Pädophiler gem. ICD 10 F65.4 war. Und genau das alles spricht auch dafür, daß es nur einen Täter gegeben hat. Ich halte Priklopil für unfähig, seine Wunschpuppe zu teilen, auch nicht in Form von Fotos oder Videos. Und ich halte es für überhaupt unmöglich, daß Priklopil in der Lage gewesen wäre, einem weiteren Täter Kontakt oder gar sexuelle Handlungen mit seinem Geschöpf zu gestatten, es wäre sofort wertlos für seine Phantasien gewesen. Insofern halte ich es auch für völlig unwahrscheinlich, daß Natascha Kampusch einen Kinderpornoring deckt, oder daß es weitere Täter gibt. Was können wir nun aus diesen schrecklichen Fällen lernen? Täter wie Priklopil wird man nie verhindern können. Psychologen gehen mittlerweile von einer sexuellen Präferenz für vorpubertäre Kinder aus, der Grund dafür ist noch unerforscht. Projekte wie das obenerwähnte der Charite versuchen, diese Menschen noch vor dem Punkt zu erreichen, wo aus Phantasien Straftaten werden. Leider gibt es dafür zu wenig Geld und zu wenig Personal und zu wenig Bereitschaft, diese Therapiegruppen zu installieren und zu fördern. Täter wie Fritzl kann man hingegen verhindern – mit dem Aufbrechen patriarchaler Strukturen, mit der Erziehung auch schon von Kleinstkindern, zum Nein sagen, zum Widerstand gegen unangenehme Berührung Leisten, zum tatsächlichen und übertragenen laut Schreien, wenn im Umfeld etwas seltsames passiert. Das Problem – unangepaßte Kinder sind nicht erwünscht. Wenn ein Kind sich wehrt, wenn es der Omi einen Kuß geben soll (ja auch das ist schon Mißbrauch), dann ist es aufsässig. Wenn ein Kind nicht zum Opa auf den Schoß will, dann ist es schlecht erzogen und wird womöglich bestraft. Wie soll ein Kind da lernen, nein zu sagen, wenn in die körperliche Integrität massiv eingegriffen wird? Kinder von Inzest – Tätern sind in der Öffentlichkeit „vorhanden“, sie gehen zur Schule, in den Kindergarten, sie sind im Vereinsleben integriert. Und genau da kann man sie erkennen und ihnen helfen oder zumindest Hilfe von den dazu eingerichteten Stellen zukommen lassen. Kinder von Tätern wie Priklopil, die verschwinden aus der Öffentlichkeit, da gibt es kein „öffentliches Korrektiv“, das eingreifen könnte. Tauchen diese Kinder dann ganz selten für kurze Zeit in der Öffentlichkeit auf, dann sind sie zu sehr in der vom Täter geschaffenen Abgeschlossenheit gefangen, als daß sie in den wenigen Minuten sich bemerkbar machen könnten, das Stockholm Syndrom tut ein übriges dazu, daß sich diese geformten Geschöpfe nicht vom Täter weg und in Sicherheit bewegen. Und das Gegenüber rechnet in dem Moment ja auch nicht damit, einem Opfer einer so ungeheuren Gewalttat gegenüber zu stehen. Kindern von Inzest – Pädophilen haben oftmals die Chance, erwachsen zu werden und sich so vom Täter zu lösen. Kinder von Tätern wie Priklopil haben diese Chance in den seltensten Fällen, ihr Leben endet meist zu dem Zeitpunkt, wo sie der Phantasie des Täters nicht mehr entsprechen. Natürlich muß alles getan werden, um die Verbrechen beider Tätergruppen aufzuklären. Allerdings ist bei den Inzest – Pädophilen die Bandbreite der Prävention viel größer – und da müßte die Gesellschaft ansetzten, allerdings hielte diese Prävention vielen Familien einen Spiegel vor, den sie nur schwer ertragen könnten. Und deshalb stürzt man sich lieber auf Opfer, die einem Täter wie Priklopil in die Hände gefallen sind – denn „so etwas“ kennt man bestimmt nicht und „so etwas“ hat man schon gar nicht in der eigenen Familie. Täter wie Fritzl gibt es hingegen viele, auch im engeren Umfeld, jedes vierte Mädchen und jeder achte Bub kann eine leidvolle Geschichte davon erzählen. Current Mood: worried | | Friday, March 2nd, 2012 | | 7:14 pm |
Natascha Kampusch, oder wie ein Opfer im patriachalen System behandelt wird #fb
Ich fasse also zusammen: Natascha Kampusch hat: - Sich selbst entführt. - Ihren Entführer verführt. - Sie lügt und betrügt. - Wahlweise ist sie mediengeil oder bringt den Mund net auf. - Sie hat das Haus der Fritzls in Amstetten gekauft. - Sie hat Lise Prokop getötet. - Sie hat ein Kind, das sie als Rabenmutter natürlich in Stich gelassen hat. - Sie war erwachsen und hat in alles eingewilligt, was Priklopil mit ihr gemacht hat. - Und es hat ihr natürlich sehr Spaß gemacht. - Und natürlich hat sie Priklopil ermordet. Hab ich was vergessen – ja, den Hauptvorwurf – sie erzählt nicht, wer sie „gedeckt“ hat (c ein netter Kroneposter). Und da kommen wir zu Pudels Kern – Natascha Kampusch erzählt doch glatt KEINE Details aus ihrer Gefangenschaft, sie befriedigt nicht die voyeuristische Volksseele. Im Fall Fritzl hat man sofort alle Gutachten veröffentlicht, mitsamt allen grausamen Details und sogar die genaue Anzahl der Vergewaltigungen, die das Opfer ertragen mußte. Die voyeuristische Volksseele wurde auf der ganzen Linie befriedigt. Die Amstettner verhielten sich auch so, wie „das Volk“ sich Opfer vorstellt, sie versteckten sich, sie tauschten die Identität (ein paarmal) und sie zeigten sich nicht in der Öffentlichkeit. Anders Natascha Kampusch, sie hat sich nicht versteckt, sie ist selbstbewußt, will bestimmen, was und wo welche Details über ihr Leben veröffentlicht werden. Daher wirft man ihr vor - sie verhalte sich nicht wie ein Opfer. Nur – wie haben sich Opfer zu verhalten? Haben sie devot in der Ecke zu sitzen und alles zu ertragen, was man mit ihnen auch nach der eigentlichen Tat anstellt? Natascha Kampusch hat offenbar in ihrem Verlies einen unbändigen Willen zum Leben entwickelt. Sie hat eine Art Pakt mit sich selber geschlossen, diese Situation zu überleben, sich nicht brechen zu lassen, schlußendlich irgendwann wieder frei zu kommen. Und sie hat genau das geschafft, obwohl ihr der Entführer jahrelang eingetrichtert hat, ihre Eltern wollten nix von ihr wissen und er würde ihrer Familie etwas antun, falls sie versuchen würde, wegzulaufen. Dieses zehnjährige Kind hat einen Überlebenswillen bewiesen, vor dem man nur den Hut ziehen kann. Aber anstatt diesen Mut und diesen Überlebenswillen zu respektieren, erdreisten sich seit Jahren Verschwörungstheoretiker, Natascha Kampusch alles Mögliche andichten zu müssen – siehe oben. Vor ein paar Monaten trat dann Herr Strache vor die Presse und verkündete, Natascha Kampusch hätte ein Kind geboren. Und vorige Woche maßte sich ein FPÖ Mandatar, im Zivilberuf Polizist, an, diese krause Theorie beweisen zu wollen. Er marschierte in einer Schule, gab vor Verkehrsunterricht halten zu wollen und fragte ungeniert nach DNA Proben eines kleinen Mädchens. Ohne Auftrag, ohne richterlichen Beschluß, ohne Einwilligung der Eltern. Nun sollte man meinen, es bräche ein Sturm der Entrüstung los. Ein Polizist, der dermaßen seine Befugnis überschreitet, der würde in jedem anderen Land sofort fristlos entlassen werden. Nicht so in Österreich. Es hat ein paar Tage gedauert, ehe der Polizist überhaupt suspendiert worden ist, denn er war – Überraschung – im Krankenstand (erinnert fatal an den Kremser Rambo, der ein Kind von hinten erschossen hat). Und die Verschwörungstheoretiker jubeln diesem Menschen auch noch zu, er hätte ja versucht, das aufzuklären, was Natascha Kampusch nicht zugeben will. Daß es schon einen DNA Test gibt, der eindeutig bestätigt, daß Natascha Kampusch nicht die Mutter ist – wurscht, das Kind wird trotzdem von Reportern gejagt und die FPÖ könne im Moment kein Fehlverhalten ihres Mandatars erkennen. Nun ist gar von einem „Geheimbund innerhalb der Polizei und der ehemaligen Evaluierungs – Kommission“ die Rede, der ehemalige OGH Präsident Rzeszut wäre führend daran beteiligt. Und damit wird’s endgültig zu einem grauslichen Politikum. Strache (oder sein Ghostwriter Kickl) hat die Idee, Natascha Kampusch hätte ein Kind bekommen, im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt, just in dem Moment, als wieder einmal schwere Vorwürfe in Sachen Schmiergeldzahlungen an die FPÖ laut wurden. Vorige Woche, als im U-Ausschuß ruchbar wurde, daß auch die ÖVP Telekom – Geld eingesteckt hat, genau dann geht der ÖVPler Amon an die Öffentlichkeit, verkündet angebliche Ergebnisse aus dem geheimen Justizausschuß lange, bevor der seinen Endbericht veröffentlichen will. Und die Bild druckt ein Foto des toten Entführers Priklopil, das nur aus dem unter Verschluß gehaltenen Akt stammten kann, natürlich samt krauser Mordtheorie. Man könnte jetzt sagen – alles Zufall – oder man könnte drauf schließen, daß hier FPÖ und ÖVP versuchen, auf dem Rücken eines Opfers politisches Kleingeld zu wechseln, von Schmiergeldzahlungen abzulenken und die aktuellen Erkenntnisse im U-Ausschuß aus den Schlagzeilen zu verbannen. Abgesehen von den strafrechtlichen Komponenten – dem Amtsmißbrauch eines FPÖ Polizisten – eins kommt noch dazu – die unglaubliche sexistische Komponente in dieser ganzen unappetitlichen Suddelkampagne gegen Natascha Kampusch – ausgeführt von ausschließlich männlichen Proponenten. Ein ehemaliger Verfassungsgerichtshofpräsident Adamovich, der behauptet, Natascha Kampusch wäre es bei Priklopil besser gegangen, als bei ihrer Mutter (und dafür verurteilt wird); Strache, Kickl und Amon, die für ihre Parteien Schlagzeilen zur Entlastung produzieren wollen; ein Polizist, der sich über sämtliche Persönlichkeitsrechte eines Kindes hinwegsetzt und die Meute, die wie üblich ein Vergewaltigungsopfer zur Täterin macht. Und da wundert man sich, warum nur jede zehnte Vergewaltigung überhaupt angezeigt wird? Was müssen Opfer von Sexualstraftaten erwarten, wenn sie in dieser männlichen Gesellschaft einen männlichen Täter anzeigen? Mitgefühl, Hilfe – nein, Häme und Schuldzuweisungen. Natascha Kampusch hat mehrere Male eindeutig dazu Stellung bezogen, es gibt nur einen Täter und es gibt kein Kind. Und keine der Verschwörungstheoretikerbehauptungen hat sich bisher als wahr herausgestellt. Es ist immer noch nur ein Täter und es gibt immer noch keinen Nachweis für ein Kind. Was man daraus lernen kann? Verschwörungstheoretiker sind an sich harmlos, man könnte sie ignorieren. Wenn Politiker auf den Zug aufspringen, wird’s gefährlich, gefährlich für unbeteiligte Kinder und noch gefährlicher für die Opfer, die man ganz schnell zum Täter macht. Und das ist, neben der strafrechtlichen Komponente, ein Symptom dieser männlichen Gesellschaft, das es mit aller Kraft zu bekämpfen gilt. Aus Solidarität mit jedem Vergewaltigungsopfer. PS: jedes vierte Mädchen wird innerhalb der Familie mißbraucht, vom Vater, vom Onkel, vom Bruder, vom Großvater – und im Sparpaket werden die Mittel für die Prävention und die Vereine gekürzt, die diese Opfer unterstützen – da schreit allerdings keiner auf. Und wenn ein Politiker im Parlament fordert, man solle doch die Frauenhäuser abschaffen, weil sie Familien zerstören, dann gibt’s ebenso keinen Aufschrei, nicht mal von den weiblichen Parlamentarierinnen – so tief stecken wir noch im patriarchalen System drinnen …. Current Mood: angry | | Saturday, February 18th, 2012 | | 7:55 pm |
| | Sunday, February 5th, 2012 | | 5:24 pm |
| | Friday, February 3rd, 2012 | | 12:06 pm |
| | Friday, January 27th, 2012 | | 12:01 pm |
| | Monday, January 16th, 2012 | | 12:17 pm |
| | Friday, December 16th, 2011 | | 10:13 am |
| | Tuesday, December 13th, 2011 | | 8:22 am |
Мои твиты - Пн, 09:32: Wen in einem Erotikforum diskutiert wird, wir man nach dem Erocrash die Sexworkerinnen bezahlt, dann wirds irgendwie strange .... #fb
- Пн, 09:33: Jetzt hab ich mir ein Laufband bestellt, so wegen dem inneren Schweinehund und so - was passiert - am Transport verschwunden - Zeichen? #fb
- Пн, 10:51: Also Hermes als Zusteller kann man wirklich vergessen, lauter Ausreden .... #fb
| | Saturday, November 12th, 2011 | | 12:01 pm |
| | Tuesday, November 1st, 2011 | | 3:28 pm |
| | Thursday, October 27th, 2011 | | 12:17 pm |
| | Sunday, October 23rd, 2011 | | 12:01 pm |
| | Saturday, October 22nd, 2011 | | 12:01 pm |
| | Monday, September 26th, 2011 | | 12:01 pm |
| | Saturday, September 24th, 2011 | | 12:01 pm |
| | Thursday, September 22nd, 2011 | | 12:01 pm |
| | Sunday, September 18th, 2011 | | 12:01 pm |
| | Thursday, September 15th, 2011 | | 12:01 pm |
| | Wednesday, August 31st, 2011 | | 12:29 pm |
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